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Region: Schwaben erhält als erster Bezirk den European Energy Award

Augsburg, Kurhaus Göggingen, Parktheater, Verleihung eea 2023

Bayerisches Umweltministerium zeichnet auch noch neun weitere Kommunen für ihre Klimaschutzaktivitäten aus

Das bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz hat in Augsburg zehn bayerischen Kommunen den European Energy Award für ihre besonderen Leistungen beim Klimaschutz verliehen. Mit Schwaben wurde dieses Jahr bundesweit der erste Bezirk mit dem European Energy Award ausgezeichnet worden. Gleichzeitig erhielten mit den Landkreisen Oberallgäu, Dillingen, Landsberg, Ebersberg und München so viele Landkreise wie nie zuvor den European Energy Award. Altusried, Bobingen, Graben und Wiggensbach rundeten dieses Jahr die Riege der erfolgreichen Kommunen ab.

Der European Energy Award, kurz eea, ist ein europäisches Managementprogramm für die kommunale Klimaschutzpolitik, das sich bereits in zahlreichen Kommunen als wichtiges Hilfsmittel für eine kontinuierliche und tatsächlich nachhaltige Energie- und Klimaschutzpolitik bewährt hat. Der eea bietet den teilnehmenden Städten, Gemeinden und Landkreisen Begleitung und Beratung bei der Planung und Realisierung von energie- und klimaschutzpolitischen Zielen und Maßnahmen. Bei einer erfolgreichen Teilnahme winkt die Auszeichnung mit dem European Energy Award.

Dafür müssen 50 Prozent der für die Kommune möglichen Punkte in den verschiedenen Handlungsfeldern erreicht werden. Bei 75 Prozent aller möglichen Punkte winkt der European Energy Award in Gold. Zu den Handlungsfeldern zählen: Raumordnung und kommunale Entwicklungsplanung, kommunale Gebäude und Anlagen, Versorgung und Entsorgung, Mobilität, interne Organisation sowie Kommunikation und Kooperation zur Einbindung von Bürgern, Unternehmen und weiteren Akteuren.

Martin Sambale, Moderator der Auszeichnungsveranstaltung und Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (eza!), das acht der zehn ausgezeichneten Kommunen bei der eea-Teilnahme betreut, verwies auf die große Bedeutung der Kommunen beim Thema Klimaschutz. „Mit der Teilnahme am European Energy Award erhalten die Klimaschutzbemühungen von Gemeinden, Städten und Landkreisen Struktur“, betonte Sambale.

In Vertretung von Bayern Umweltminister Thorsten Glauber nahm Ministerialdirigent Robert Winkler vom Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz die Auszeichnung vor.

Die diesjährigen Preisträger

Gemeinde Graben
Die Gemeinde Graben nimmt seit 2020 am European Energy Award teil und wurde bereits nach drei Jahren ausgezeichnet. An der Gemeinde Graben im Landkreis Augsburg erkenne man, wie ehrenamtliches Engagement der Energieteammitglieder und ein überzeugter Bürgermeister dazu beitragen, Klimaschutz in der Gemeinde systematisch umzusetzen, so Winkler in seiner Laudatio. Ein gutes Beispiel dafür sei die Zusammenarbeit der Gemeinde mit Unternehmen, die im Bereich Unternehmensberatung und Managementsysteme tätig sind. Inhalt des Projektes war es, für jede Beratung oder Zertifizierung im Bereich Umweltmanagement einen Baum zu pflanzen. In der Summe konnten auf diese Weise inzwischen 1.000 heimische Bäume gepflanzt werden. Die Gemeinde Graben stellte dafür eine Fläche von rund 6.500 Quadratmetern zur Verfügung.

Beim European Energy Award konnten im externen Audit 53,8 Prozent der möglichen Punkte erreicht werden.

Markt Wiggensbach
Der Markt Wiggensbach wurde in diesem Jahr nach 2015 und 2019 zum dritten Mal mit dem European Energy Award ausgezeichnet. Bereits 2014 konnte der Markt Wiggensbach aus dem Landkreis Oberallgäu als Leuchtturmprojekt die Errichtung einer großen PV-Freiflächenanlage mit einer Nennleistung von 45 Kilowatt verwirklichen. Jetzt setze eine neue PV-Freiflächenanlage ganz andere Maßstäbe, betonte Winkler in seiner Laudatio. Es handelt sich um eine 6,5 MWp PV-Freiflächenanlage mit über 12.000 Modulen, die unter Beteiligung der Gemeinde im November 2022 ans Netz ging. Die Anlage erzeugt pro Jahr rund 7,1 Millionen kWh Strom. Damit könnten circa 2.800 Haushalte mit Strom versorgt werden. Ein Highlight ist, dass der Strom auch direkt an den örtlichen Lebensmittelladen geliefert wird, der somit „grünen“ Strom aus Wiggensbach bezieht.

Beim European Energy Award konnten im externen Audit 60,0 Prozent der möglichen Punkte erreicht werden.

Markt Altusried
Über den zweiten European Energy Award darf sich Altusried freuen. Die Oberallgäuer Marktgemeinde bietet den Bürgerinnen und Bürgern seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!) und der Verbraucherzentrale im Rathaus eine Energieberatung an. „So werden Themen zur energieeffizienten Sanierung oder zum nachhaltigen Neubau regelmäßig in die Mitte der Bevölkerung getragen“, erklärte Winter in seiner Laudatio. Über zusätzliche Beratungskampagnen vor Ort in den Gebäuden unterstützt die Gemeinde die Bürger bei der Heizungswahl oder bei der richtigen Dimensionierung einer Photovoltaik-Anlage. Außerdem werden die Installation von Balkon-PV-Anlagen und Dachbegrünungen finanziell gefördert. Eine besondere Erfolgsgeschichte stellt die Ortsdurchfahrt Altusried als Tempo-30-Zone auf einer Staatsstraße dar. Nach einer erfolgreichen Pilotphase im Jahr 2019 ist nun die Tempo-30-Zone in der gesamten Ortsdurchfahrt Altusried auf einer Länge von 1,7 km dauerhaft eingerichtet. Die Marktgemeinde Altusried übernimmt damit eine Vorreiterrolle im gesamten Freistaat Bayern.

Beim externen Audit wurden 59,7 Prozent der möglichen Punkte erreicht.

Stadt Bobingen
Die Stadt Bobingen im Landkreis Augsburg wurde nach 2105 und 2019 bereits zum dritten Mal mit dem European Energy Award ausgezeichnet. Winkler lobte dabei in seiner Laudatio insbesondere die Anstrengungen der Stadt, das Radfahren attraktiver zu machen. Aus diesem Grund hat das örtliche Energieteam auch die Aktion „Neue Fahrradständer für Bobingen“ ins Leben gerufen. Ziel dabei war es, die Bürgerinnen und Bürger für das Radfahren stärker zu begeistern, indem man innerorts gute Abstellanlagen errichtet. Mitglieder des Energieteams sind aktiv auf Gewerbetreibende zugegangen. Es wurde gefragt, ob die Betriebe an einer Sammelbestellung interessiert seien, um ihre alten Radabstellanlagen zu erneuern. Dank der Aktion, an der sich einige Gewerbetreibende sowie die katholische Kirche beteiligten, konnten fast 60 neue, ADFC-konforme Fahrradständer in Bobingen aufgestellt werden.

Beim European Energy Award konnten im externen Audit 61,2 Prozent der möglichen Punkte erreicht werden.

Landkreis Dillingen a.d.Donau
Der Landkreis Dillingen, der nach 2019 zum zweiten Mal ausgezeichnet werde, zähle zu den Vorreitern beim Einsatz für erneuerbare Energien und habe hierbei bereits große Erfolge erzielt, stellte Winkler in seiner Laudatio fest. Seit 2010 wird im Landkreis Dillingen mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt als von der Wirtschaft, den Kommunen und den Bürgern verbraucht wird. Der Überschuss liegt inzwischen bei 40 Prozent. Doch damit nicht genug: Der Umweltausschuss des Landkreises hat in diesem Jahr eine Klimastrategie beschlossen, die anhand einer konkreten Meilensteinplanung aufzeigt, was wann getan werden muss, um sicher auch die Bayerischen Klimaziele zu erreichen. Eine jährliche Überprüfung wird die Umsetzung der Maßnahmen sicherstellen. Konkret hat der Landkreis schon bei den eigenen Liegenschaften damit begonnen: Heute werden bereits 95 Prozent der kommunalen Liegenschaften mit erneuerbarer Wärme versorgt. Die Umstellung erfolgte im Rahmen von energetischen Gebäudesanierungen.

Im externen Audit wurden 64,8 Prozent der möglichen Punkte erreicht.

Landkreis Landsberg am Lech
Der Landkreis Landsberg am Lech nimmt seit drei Jahren am European Energy Award teil. „Ein besonderes Leuchtturmprojekt ist hier der mobile Wärmetransport mit überschüssiger Abwärme einer Biogasanlage“, erklärte Winkler in seiner Laudatio. Dadurch komme das Lechtalbad in Kaufering nun im Sommer ganz ohne Erdgas aus. Auch das Freibad Greifenberg ist mit dabei und konnte die Badesaison aufgrund der mobilen Wärme, die in Containern transportiert wird, verlängern.

Hervorzuheben, so Winkler, sei auch das Engagement im Bereich der Klimaanpassung bei Wäldern – und zwar in Verbindung mit Forschung und Bewusstseinsbildung im Rahmen des EU LIFE Projektes „Future Forest“. Der Landkreis Landsberg ist zudem einer der wenigen Landkreise mit einer personellen Ausstattung im Klimaschutzbereich, die den gestellten Aufgaben gerecht wird.

Im externen Audit wurden 59,8 Prozent der möglichen Punkte erreicht.

Landkreis Ebersberg
Der Landkreis Ebersberg punkte unter anderem mit den hohen energetischen Standards seiner Liegenschaften, so Winkler in seiner Laudatio. Erreicht wurde das durch die langjährige und konsequente Anwendung der selbstgesetzten Bauleitziele. Beispielhaft zu nennen sind die Teilgeneralsanierung des Gymnasium Grafing auf den KfW 55 EE-Standard und der Bau des sonderpädagogischen Förderzentrums in Grafing, das im KfW 40 EE-Standard umgesetzt wird. Eine Grundwasserwärmepumpe dient dabei nicht nur der Wärmeversorgung, sondern wird auch zum Kühlen genutzt. Zudem wurde ein Photovoltaikkonzept erstellt, das helfen soll, das Potenzial der landkreiseigenen Dachflächen auszunützen. Der Landkreis beschreitet außerdem beim Aufbau eines neuen digitalen Energiemanagementsystems neue Wege. Darüber hinaus gibt es Landkreis-Projekte, die weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt sind, wie zum Beispiel der erfolgreiche Bürgerentscheid für Windenergie und die damit verbundene Informationskampagne, die Modellregion Carsharing oder die Ebersberger Mitfahrbänke.

Im externen Audit konnte ein Ergebnis von 65,3 Prozent erreicht werden.

Landkreis Oberallgäu
Im Landkreis Oberallgäu, der zum dritten Mal mit dem European Energy Award ausgezeichnet wurde, haben sich bereits 2013 Gemeinden zur Oberallgäuer Energieallianz zusammengeschlossen, um ihre Anstrengungen für Energiewende und Klimaschutz zu bündeln. Inzwischen seien alle 28 Oberallgäuer Kommunen Mitglied der Energieallianz, so der Hinweis von Winkler in seiner Laudatio. Die Allianz stärkt mit Anreizen vom Landkreis und Verpflichtungen seitens der Kommunen den Ausbau und die Nutzung erneuerbarer Energien und die Steigerung der Energieeffizienz in den beteiligten Gemeinden. Mehrmals im Jahr treffen sich die Bürgermeister zur Klimaschutz-Kommunalkonferenz, um sich über aktuelle Themen, wie Wärmeplanung, Projekte im Bereich erneuerbarer Energien und nachhaltige Bauleitplanung zu informieren und auszutauschen.

Im Rahmen des vom Amt für ländliche Entwicklung geförderten Pilotprojekts „AllgaEu-mobil“ wurden nachhaltige Mobilitätsalternativen im Landkreis aufgebaut. Nach einer Testphase für Carsharing kann nun dauerhaft in acht der 15 Projektkommunen ein Carsharing mit effizienten Elektrofahrzeugen angeboten werden. Darüber hinaus wurde eine regionale Mitfahrplattform gegründet, die inzwischen auch über die Landkreisgrenzen hinauswächst.

Der Landkreis Oberallgäu erreichte 60,2 Prozent der möglichen Punkte.

Landkreis München
Ein noch junges Leuchtturmprojekt des Landkreises München ist die Aktion Zukunft+. Ziel ist es, Klimaschutzprojekte direkt vor Ort im Landkreis München und weltweit in Ländern des globalen Südens gemeinschaftlich zu finanzieren. Mitmachen können dabei alle Bürgerinnen und Bürger genauso wie Unternehmen, Kommunen oder Vereine, die per Spende nachweislich wirksame Klimaschutzprojekte unterstützen und gleichzeitig eigene unvermeidbare Restemissionen ausgleichen. Der Landkreis selber gehe mit gutem Beispiel voran, hob Winkler in seiner Laudatio hervor. So gleiche der Landkreis bereits seit 2019 die CO2-Emissionen, die im eigenen Aufgabenbereich versursacht werden, über die Aktion Zukunft+ aus. Über zwei Millionen Euro sind auf diese Weise bereits zur Finanzierung von Projekten zusammengekommen.

Entgegen dem üblichen Zertifikatehandel wird nicht nur die Projektunterstützung im Ausland finanziert, sondern gezielt der Klimaschutz in der Region gefördert, zum Beispiel durch ökologische Waldumbaumaßnahmen im Forstenrieder Park oder den Humusaufbau in der Landwirtschaft. Zudem widmet sich der Landkreis mit dem Bündnis die KLIMANEUTRALEN der Energiewende in Unternehmen, veranstaltete 2023 eine eigene Klimakonferenz, arbeitet besonders aktiv an der Nutzung des geothermischen Potenzials im Landkreis und freute sich jüngst über die Genehmigung von sechs Windenergieanlagen.

Im externen Audit konnte ein Ergebnis von 63,6 % erreicht werden.

Bezirk Schwaben
Die Teilnahme der Bezirksverwaltung am eea ist seit drei Jahren ein erfolgreiches Pilotprojekt in Bayern, betonte Winkler in seiner Laudatio, würden die Aufgaben und Pflichten doch teils deutlich von denen der Landkreise und Städte abweichen. Dennoch erlaube ein breites Spektrum an Handlungsmöglichkeiten die Anwendung des bewährten Qualitätsmanagementsystems. Besonders hervorzuheben sind dabei die vielfältigen Unterstützungen für Multiplikatoren im Bereich der Umwelt- und Klimabildung im gesamten Bezirk Schwaben. Der Bezirk unterhält auch eigene Bildungseinrichtungen wie in Babenhausen und Irsee, die ihrerseits bereits ganz gezielt auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2030 sind. Eine besondere Bedeutung hat das Kommunalunternehmen mit den Bezirkskliniken Schwaben. Über 4.500 Beschäftigte sichern die Patientenversorgung in den Bereichen der Psychiatrie, Psychotherapie, bis hin zur Neurochirurgie. Entsprechend groß sind die energiepolitischen Handlungsoptionen bei den Gebäuden selbst bis hin zu den Betriebsabläufen. Dass dieser Bereich im Fokus der Klimaschutzanstrengungen liegt, ist vorbildhaft.

Im externen Audit 55,3 Prozent der möglichen Punkte erreicht werden.

Weitere Infos zum European Energy unter:
www.european-energy-award.bayern

Foto: eza!/Andreas Lode